Zurück am Festland

Am Ende der Fahrt bleibt ein lachendes und ein weinendes Auge! Wir sind zurück am Festland. Auf der Seekarte lesen wir Europa, nicht Afrika wie erwartet. Wie kann sich unsereins auch nur so irren?

Funchal im Frühling.

Die Geschichte von Beginn: Die kurze Auszeit in Funchal wirkt Wunder,  reinigt Geist und Seele. Auch nach dem x-ten Besuch entdecken wir neue Museen, Parks und Plätze, Restaurants und guten Wein. Wir stellen fest, der Frühling hat sich in der vergangenen Woche prächtig entfaltet…

U-Boot oder Antarktis-Segelyacht?

Kaum zurück auf Porto Santo, zeigen auch die Wettercharts ein viel erfreulicheres Bild. Es ist Samstag Mittag. Wir verabschieden uns von Miguel und seiner SY Utopie, die er mit bewundernswerter Geduld und vielen kreativen Ideen zu einer echten Antarktis-Yacht ausbaut. Einzig das künftige Gewächshaus für die Selbstversorgung erfordert noch etwas Vorstellungskraft. Viel Erfolg! Anschliessend lösen wir die Leinen und die Weite des Atlantiks liegt wieder vor uns…

Wenigstens die Delphine springen ins Bild.

In den nächsten drei Tagen ist für Abwechslung und Spannung gesorgt. Es beginnt mit Sonnenschein und einem Hauch von Wind (NE1), der Motor läuft. Die Dünung ist hoch und lang, die Meeresoberfläche fast platt. Die erste grosse Wasserschildkröte treibt an uns vorbei und schon bald besuchen uns die ersten Delphine. Es ist zum Jauchzen – eine zweite Schildkröte, weitere Delphine, grosse Thunfisch-Schwärme und Wasserfontänen von Walen – das Meer ist voller Leben!

Unsere Blinden Passagiere.

In der ersten Nacht entdecken wir im Vollmondlicht zwei Blinde Passagiere. Sichtlich erschöpft suchen die beiden Schwalben nach einem Ihnen genehmen Platz für die Rast. Nicht ganz einfach bei dem Geschaukel. So spannt Dieter im Windschatten der Rettungsinsel eine Leine. Sie finden endlich ihre Ruhe. Noch vor der Morgendämmerung sehe ich sie davon fliegen. Am Horizont leuchtet ein Passagierschiff. Verspricht dieses vielleicht mehr Komfort? Gute Weiterreise, euch beiden!

Auch mit dem neuen Köder beisst kein Fisch an.

Am zweiten Tag packen wir die grosse Leichtwind-Genoa aus und segeln bei schwachem Wind (NW2-3) gemütlich weiter. Wir sind froh, dass wir dem Brummen des Motors nach 20 Stunden endlich ein Ende setzen können. Der wahre Grund für die Erleichterung liegt in einem Leck in der Meerwasserkühlung, das trotz Abdichtung mit Isolierband weiter rinnt. Dieters regelmässigen Kontrolldurchgängen sei Dank. Die Folgen einer Motorraumüberschwemmung bleiben uns erspart…

Gegen Abend nimmt der Wind leicht zu (SW4). Rechtzeitig vor dem Eindunkeln bergen wir die Leichtwind-Genoa und setzen das normale Segel. Das erneute Meisterwerk an Klebkunst scheint zu halten. Ich bin nahe daran, die erfreulichen Segelbedingungen zu loben. Doch eine gewisse Anspannung bewahrt mich davor. Wir bewegen uns offensichtlich genau zwischen zwei Starkwind-Zonen. Niemand weiss, ob, wann und wie uns eine davon doch noch erwischt…

Am dritten Tag nimmt die Zugbahn der Tiefs tatsächlich eine Wende. Der Wind frischt weiter auf (SE6), die See wird rauer, dunkle mächtige Wolken bedecken den Himmel, es blitzt und stellenweise fällt Regen. Von Schlimmem bleiben wir verschont. Doch der Wind dreht und dreht weiter… so weit nach Osten, dass wir schon gar nicht mehr daran denken, nach Rabat zu segeln. Marokko – ein weisser Fleck für eine nächste Reise, schade!

AIS - eine grosse Hilfe. Der Mittelpunkt sind wir.

In der letzten Nacht ist unsere Müdigkeit für zwei Stunden wie vom Winde verweht. Wir erreichen die Kreuzung der Seestrassen von Gibraltar und der Westküste Portugals. Es wimmelt von Schiffen, die sich uns aus allen Richtungen und einige sogar im Doppelpack nähern. Mitten im Verkehr wird auch noch das zweite Reff fällig.

Die meisten Schiffe passieren in genügend grosser Entfernung. Einzelne ändern von sich aus den Kurs und erwidern unseren Dank per Funk. Andere weichen erst nach unserem Aufruf aus, lassen uns auf einen anderen Funkkanal wechseln, um uns dann ohne das Ohr der Traffic Control in gebrochenem Englisch zu melden: „You asshole! Why do you disturb us? GO ahead.“ Frei übersetzt: „Was bist du für ein A..! Wieso störst du uns beim Schlafen? Los, fahr weiter.“

Einige Stunden später fahren wir nach 22 Monaten – ungeplant früh, doch schlussendlich nicht ganz zufällig – zum zweiten Mal in Portimão (Algarve) ein. Hier schliessen wir das Kapitel Makaronesien und schlagen demnächst das nächste auf…

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