Dem Douro entlang zur Quinta „Miguel“

José’s Einladung ist nur noch eine Frage des WIE. Mit Flying Kefi kommen wir nicht den Douro hoch. Bereits die zweite Brücke würde uns zwingen, den Masten zu kappen. Die Fahrt mit einem der vielen Ausflugsboote ist auch keine Lösung. Die Schleusen kosten Zeit. Nach acht Stunden wären wir noch immer nicht am Ziel.

Im schönen, mit Azulejos (Kachelmosaiken) geschmückten Bahnhof von Porto werden wir fündig. Ein Zug bringt uns in 3 ½ Stunden dem Fluss entlang nach Pocinho (Endstation). Die zweite Hälfte der Strecke ist wunderschön, kurzweilig und absolut lohnenswert! Vermutlich in jedem Reiseführer mit drei Sternen empfohlen. Für uns ist es ein Zufallstreffer.

Hier in Pocinho, oberhalb der vierten oder fünften Schleuse, nur noch 35 km von der spanischen Grenze entfernt, irgendwo in der Pampas umgeben von Weinreben ist Miguel und seine Familie zu Hause. Sie bewirtschaften eines der vielen Weingüter. Das Douro-Gebiet ist bekannt für qualitativ gute Weine. Darüber hinaus ist es nicht übertrieben, die Gegend als eine der schönsten Portugals zu bezeichnen. Seit 15 Jahren ist Miguel daran, die Quinta (Hof) zu modernisieren. Noch immer gibt es viel zu tun. Während der Woche leben Frau und Kinder in Figueira und Miguel ist hier mit seinen Eltern auf dem Land.

Wir treffen rechtzeitig zum Mittagessen ein. Es wird aufgetischt – reichlich, geschmacksvoll und nahrhaft. An Wein fehlt es selbstverständlich auch nicht. Weitere Besucher kommen und gehen. Jeder bringt seine eigenen Spezialitäten mit. Die Stunden ziehen vorüber, gemütlich, gesprächig, bis tief in die Nacht. An Zahnbürste und Pyjama haben wir vorsichtshalber gedacht. Doch bevor es zum Schlafen geht, präsentiert uns Miguel seinen Weinkeller und die Produktion. Der nächtliche Rundgang hat was geheimnisvolles!

Am Sonntag macht José mit uns Ausflüge in die umliegenden Dörfer. Den Schiefersteinhäuser nach könnten wir irgendwo im Gebirge sein. Wir befinden uns im Côa Tal, auf dem Weg zu einem der wichtigsten archäologischen Parks Portugals. Der Parkwächter gibt sich alle Mühe, kurzfristig einen lokalen Führer zu organisieren. Ohne Erfolg. Stattdessen schickt er uns in das Museum, um die uralten Steinzeichnungen mit Ochsen, Pferden, Hirschen, Steinböcken, Ziegen und Fischen zu bewundern. Wir wundern uns mehr über den grossen Museumskomplex. Wenn man jedoch hört, dass an dieser Stelle ein Staudammprojekt geplant war, welches das Tal wohl mit samt dem 25’000 Jahre alten Kunstschatz überschwemmt hätte, ist dies vielleicht doch die bessere Lösung. Es ist den Initianten zu wünschen, dass sich die nicht ganz billige Investition in die integrierte Regionalentwicklung (Geschichte, Wirtschaft, Freizeit, Wissen, Forschung, Tourismus), die vor allem eines bringen soll – Beschäftigung – auch lohnt.

Gegen Abend fährt uns José auf der Überholspur zurück nach Leixões. Wir möchten noch heute in der Marina ausklarieren. Für uns waren die zwei Tage im Kreise von Familie und Freunden etwas ganz Besonderes. Jetzt fallen wir müde und zufrieden ins Bett.

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