La traversée du Golf de Cascogne (auch Biscaya genannt)

Seit langer Zeit bin ich (Esther) – passive Schiffsmiteigentümerin – wieder einmal an Bord der Flying Kefi. In La Coruña sehe ich sie zum ersten Mal seit drei Jahren wieder; auf den ersten Blick sieht alles mehr oder weniger identisch aus, aber das Innenleben hat sich verändert: es hängen Dekorationen aus verschiedenen Ländern im Salon, ein praktisches Früchtenetz wurde installiert und die vorgefundene Atmosphäre entspricht einem Zuhause, nicht der des Inneren eines Segelschiffs. Die schönen Sitzpolster sind mit FCB-Decken bedeckt – praktisch aber naja ;).

Auf meiner ersten Fahrt dieses Törns – von La Coruña in die Bucht von Cedeira – merke ich zu meiner Enttäuschung schnell, dass mein Magen nicht mehr zu 100% seetauglich ist. Wohl zum ersten Mal ist Claudia seetauglicher als ich! Da bin ich froh, dass wir nicht gleich die lange Überfahrt in die Bretagne starten. Von Cedeira geht’s weiter nach Viveiro, wo wir bloss 6 Stunden verweilen. Nach kurzer (oder auch nicht soo kurz 😉 ) Kaffeepause bereiten wir uns auf die Traversée der Biscaya vor. Die Wettervorhersage prophezeit, dass Wind und Wellenhöhe während der Überfahrt  zunehmen werden, da scheint die beste Lösung noch am gleichen Abend loszulegen – ursprünglich war eine spätere Abfahrt geplant. Gemäss Papi’ Vorsatz „speed is key“ motoren wir die erste Nacht zügig in die weite Dunkelheit. Nach anfänglichem Slalom um die Fischerboote in Küstennähe ist ein konstanterer Kurs möglich, und Claudia kann während ihrer Wache beruhigt Sterne zählen. Ich schlafe wie auch in vergangenen Törns bestens zum Brummen des Motors ein.

Um 5 Uhr weckt Claudia mich für meine allererste Nachtschicht – bislang habe ich nie volle Verantwortung übernommen, sondern bloss nachts Sternschnuppen gesichtet und träumerisch in die Weite geschaut. Nach einem Aktualisierungsbericht zu unserer Situation und den bisherigen Geschehnissen übernehme ich mit etwas Nervosität meine Rolle: 3 Stunden „Nachtwache“, wobei es nach der Hälfte schon hell wird. Ich versuche mein bestes keine Geräusche zu verursachen – eine schwere Aufgabe, denn ich bin ein „Zappeli“ und laufe immer wieder mal in etwas hinein oder wirf etwas unabsichtlich um – denn beim kleinsten unbekannten Geräusch sitzt Papi senkrecht im Salon-Bett. „Leider“ verläuft meine Wache event-los, nicht einmal ein Frachter taucht in entfernter Weite auf dem AIS Bildschirm auf.

Früh morgens hat es endlich genug Wind zum segeln, jedoch wird zuerst Motor-gesegelt, um Papi’s Vorsatz gerecht zu werden – was in dieser Situation durchaus angebracht ist, da wir ein Rennen gegen das schlechte Wetter führen! Der Tag zieht ohne spezielle Ereignisse an uns vorbei, bestehend aus schlafen, essen, in die Weite schauen, wieder schlafen…  Die ersten grösseren Wellen erreichen uns als Vorboten des stürmerischen Wetters weiter draussen und auch der Wind nimmt stetig zu, sodass bald ein erstes Reff nötig wird. Ein Fisch kommt noch zu Besuch und löst eine Debatte zu seiner Spezies aus: grosser Thunfisch, mittlerer Delphin oder doch ein kleiner Wal? Das letzte scheint wohl doch etwas weit hergeholt…

In der zweiten Nacht nimmt der Wind noch mehr zu und die Flying Kefi surft auf vereinzelten grossen Wellen mit 15 Knoten speed! Aber ich schlafe wie ein Lamm und merke äusserst selten etwas von den Geschehnissen auf hoher See. Bloss das Einschlafen ist mir schwergefallen, da es im Rumpf „chlöpft und dätscht“ wie wenn wir im grössten Sturm wären. Doch die Müdigkeit nahm Überhand. Wieder verpasse ich die spannensten Momente, wie beispielsweise das orange blinkende Licht, welches Papi während einer Stunde erfolglos versucht zu überholen. „Sobald ich das Schiff überholt habe, wecke ich Claudia für ihre Nachtschicht.“ Keine Minute nach dem Claudia ihre Schicht anfängt und Papi sich verschlauft, nähert sich das Blinklicht rapide: „Dieter, s’chunnt jetzt aber plötzlich nöcher!“ Und so kam es dann doch noch zum Überholungsmanöver.

Um zwei fängt meine zweite, richtige Nachtschicht an, jedoch stehe ich schon eine halbe Stunde früher im Cockpit. Die vergrösserten Wellen haben mich wohl geweckt. In Zwischenzeit sind sie etwa zweieinhalb Meter hoch. Endlich sichte ich während meiner Schicht auch ein Schiff, und da ich unsicher bin was ich machen soll – und nicht begreife dass dieses Schiff das selbe ist wie jenes auf dem AIS Bildschirm – wecke ich den Skipper. Ein Ausweichmanöver ist jedoch nicht notwendig. Die restliche Zeit starre ich gebannt auf die Windanzeige, er soll bloss nicht über 27 Knoten springen, sonst wird mitten in der Nacht noch ein zweites Reff fällig! Zum Glück kommt es dann doch nicht dazu; wir lassen das Reffen damit wir zügig voran kommen um möglichst vor dem schlechteren Wetter in den sicheren Hafen einzulaufen.

Nach 40 Stunden, 300 Seemeilen und einigen Regenschauern, welche die sonnigen Tage nur kurz unterbrochen haben, kommen wir nachmittags in Lorient an. Wie immer – gemäss permanenter Seglermann- und frauschaft – schienen die nächtlichen Stunden schlimmer als die Stunden der Helligkeit, aber ausnahmsweise gab es auf dieser längeren Strecke keine Defekte, was den Skipper und die Crew sehr glücklich stimmt: diesmal kann Papi der Bootsmechaniker ruhen.

Nach sicherer Ankunft entspannen sich die Nerven und die Strapazen des Trips holen mich überraschend ein. Das feste Land fühlt sich unter meinen Füssen seltsam an und sobald ich im Innern eines Gebäude bin wird mir übel. Für das schwankende Gefühl in meinem Körper – in alle Himmelsrichtungen – gibt es gemäss Papi nur eine Lösung: „Konter-Schwankung“ durch Cidre Brut ausgelöst! (Die andere, im Scherz vorgeschlagene Lösung wäre wieder auszulaufen, was beim angesagten Sturmwetter überhaupt nicht in Frage kommt!)  Gleich zwei Flaschen werden im Verlauf des Abends gekillt. Nach einer deliziösen Crêpe-Runde zum Znacht geht es mir schon besser und wir freuen uns alle auf eine ruhige erholsame Nacht.

Da es zur Zeit draussen stürmt werden wir die restliche Zeit meines Aufenthalts an Land verbringen. Meinen Vorsatz einen Fisch zu fangen konnte ich leider nicht erfüllen, nur einen Schwertfischschnabel blieb im Trampolinnetz stecken, der Rest des Fisches wurde unterwegs wohl von den Wellen weggezerrt.

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