Hochbetrieb in Trosa


Herrliches Wetter und schwache Winde laden uns zum Motorsegeln im Schärenfahrwasser und zu zwei Nächten vor Anker ein. Gespannt warten wir auf die ersten Segler, die uns das „schwedische Ankern“ live vorzeigen. Für gewöhnlich versuchen wir uns möglichst fern von Felsen zu halten. Die Schweden hingegen scheinen sie sanft zu „küssen“. Für Geübte ein leichtes Spiel, ohne Leiter am Bug dürfte der rechtzeitige Sprung an Land doch eher ein gewagtes Unterfangen sein.

Am dritten Tag steuern wir mit Papierkarte und ohne elektronische Unterstützung den Gästehafen von Trosa an. Kurz nach zehn Uhr nähern wir uns bereits der Flussmündung. Es ist unschwer zu erkennen, dass die historische Kleinstadt ein beliebtes Ausflugsziel ist und ein freier Hafenplatz mit einer Portion Glück verbunden sein könnte. In diesem Moment verlässt ein deutsches Segelboot seinen Platz gleich am Ende der Hafenmole. Wir sagen: „Tack, tack!“

Nach einem ersten, kurzen Rundgang durch den blumigen und kleinen Ort, möchte sich das Glück abrupt verabschieden. Bald werde ein grösseres Passagierschiff „unseren“ Platz beanspruchen. So kommt es zur Bekanntschaft mit der holländischen Crew von der Bluebell. Wir verlegen Flying Kefi vorübergehend an die Seite ihrer Yacht, während das alte Kanalschiff Juno kommt und nach zwei Stunden wieder ablegt. Mit Hafenmanöver Nummer drei kehren wir zurück an „unseren“ alten Platz.

Der Kapitän der Juno macht stattdessen eine weniger gute Falle. Bei starker Strömung und böigem Wind schafft er es nicht, dass Schiff im Fahrwasser korrekt zu drehen und fährt mit den teuer zahlenden Gästen auf Grund. Dürfen wir tatsächlich ein weiteres Mal zur Leine greifen und den Platz nun definitiv frei geben? Doch schon bald ist das Rettungsschiff zur Stelle, zieht die Juno aus dem Sumpf und sie zieht unter den vielen schaulustigen Blicken von dannen… 🙂

Das war gestern. Heute geht das lebhafte Treiben im Hafen weiter. Der Wind bläst heftig, obwohl kein Sturm angesagt ist. Wenn die Schiffe bereits am Morgen in Scharen in den engen Hafen drängen statt auszulaufen, entsteht eine sehr spezielle, leicht hektische und gespannte Atmosphäre. Es wimmelt, man beobachtet, wundert sich, ist bereit zu helfen, kommt links und rechts ins Diskutieren und rätselt, welche Kapriolen das Wetter draussen wohl treiben mag…

Irgendwann sind alle Schutzsuchenden „eingepackt“, der Tag nimmt seinen gewohnt gemütlichen Gang und endet mit einem ausgedehnten Apéro und Nachtessen in holländischer Gesellschaft sowie einer Runde Kubb, einem schwedischen Holzwurfspiel.

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