Auch Carnaval gehört zu Uruguay…

Richtig Carnaval wird nicht nur in Rio gefeiert. Auch die Uruguayos sind leidenschaftliche „Fasnächtler“ und sind stolz auf ihren einzigartigen Carnaval, der mindestens vierzig Tage dauert. Wir mieten uns wieder für drei Wochen eine Wohnung in der „Sarandí 356“ (Montevideo) und lassen uns überraschen.

Die erste „Veranstaltung“, an die wir am 2. Februar heranlaufen, hat noch wenig mit Carnaval zu tun. „Lemanjá“, die Göttin des Meeres, die auf dem Deck der Sklavenschiffe von Afrika nach Amerika kam, sei in Uruguay eine jüngere Erscheinung. Das Fest zu ihren Ehren hat sich am Strand von Ramirez aufgrund der grossen Besucherzahl jedoch schon so etabliert, dass die Carnavalsaktivitäten in unmittelbarer Nähe einen Tag ruhen dürfen. Lange Menschenschlangen bilden sich vor den „ihr geweihten Menschen in Weiss“, Schiffchen werden mit Blumen, Duftflaschen und anderen Gaben für die Schönheit der Frau gefüllt und ins Meer getragen oder am Strand deponiert. Für Schaulustige wie uns gibt es eine Broschüre, in der das religiöse Ritual kurz beschrieben wird.

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Viel Wissenswertes zum Carnaval erfahren wir über die Tageszeitung „El País“, die Internetseite zum Carnaval und vor allem von unseren lokalen „Lehrern“, welche uns auch hinter die Kulissen sehen lassen. Und so setzt sich das Puzzle langsam zusammen, das sich in drei Absätzen wie folgt beschreiben lässt:

Es gibt verschiedene Kategorien von Gruppen, die „Parodistas, Murgas, Humoristas, Revistas und Comparsas“. Letztere haben wir 2010 auch in Rio und Paraty in Brasilien gesehen. Die“Comparsas“ tanzen und trommeln in den afrikanischen Rhythmen „Candombe“, den man im Blut hat oder – wie ich – eben nicht 😉

Die anderen sind „Künstler der Bühne“ und haben ihren Ursprung in Spanien (Beispiel Cádiz). Auch wenn wir die Texte nicht immer verstehen, sind gewisse Figuren und Handbewegungen wie der Griff zum Handy auch ohne Worte und global verständlich. Es sei ein „extrem politisches Jahr“, meint eine Stimme des „El país“. Der nächste Artikel beginnt mit „Frauen in der Küche, nicht in der Murga“. Carnaval, eine „Sache der Machos“ oder eine Möglichkeit „zur Integration der Gesellschaftsgruppen“? Ein wunderbares Thema für ein Murga-Lied. Wir bleiben politisch neutral und lernen ein Lied, das alle gleichermassen berührt: „Amor profundo“ 🙂

Und schlussendlich ist der Carnaval ein grosser Wettbewerb, bei dem die Gruppen im „Teatro de Verano“ in zwei Runden à 10 Vorstellungen (4 Gruppen pro Abend) und beim 2-tägigen Strassenumzug „Desfile de Llamadas“ für ihr Können und ihre kreative Schaffens- und Ausdruckskraft um Jurypunkte werben. Daneben präsentieren sich die Gruppen fast jeden Abend auf verschiedenen Bühnen („Tablados“) und Strassenabschnitten in den Quartieren. So entsteht ein vielfältiges und unterhaltsames Carnavalsprogramm, das uns überzeugt und problemlos 40 Tage füllen kann!

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