Ab in die Wüste…

Hasta luego, Montevideo!
Wir fliegen über die Anden und reisen via Santiago de Chile nach Calama, einer Wüstenstadt auf einer Hochebene inmitten der Atacama-Wüste. Auf der anschliessenden einstündigen Autofahrt vom Flughafen zum Oasen-Dorf San Pedro de Atacama neigt sich der Tag bereits dem Ende zu (ca. 20.00 Uhr).

Wieso reist man überhaupt in eine der trockensten Gegenden der Erde? Die Mehrheit der Mitreisenden, so vermuten wir, ist auf der Anreise zu ihrer Arbeitsschicht in einer der Kupfer-, Lithium- oder Platin-Mienen. Die anderen sind Touristen wie wir.

Der „Aufstieg“ von Meereshöhe auf rund 2’450 Metern macht sich bemerkbar. Im Kopf zieht sich alles leicht zusammen. Die Luft ist unheimlich trocken. Doch Hunger haben wir nach dem 12-stündigen Reisetag trotzdem 😉

Am ersten Tag in San Pedro nehmen wir es gemütlich. Die 2’000 Seelen Oase ist übersichtlich und beschaulich: eine Hauptstrasse mit ein paar staubigen Nebenstrassen, ein Dorfplatz mit Kirche sowie unzählige Restaurants und Tourenanbieter für die rund 50’000 Touristen pro Jahr, die offensichtlich vor allem die Höhe der umliegenden Vulkane reizt. Mir gefällt’s! Überfüllt ist der Ort im Moment nicht, die Adobe-Architektur ist einfach-schön und beim Dorfplatz lockt im Schatten der alten, knorrigen Bäume das kalte Bier. Wir bleiben trotzdem beim eisgekühlten Fruchtsaft, zumindest solange die Sonne so richtig einheizt. Hei, es ist Adventszeit!

Einziger Wermutstropfen an diesem Tag ist das wegen Renovation geschlossene Archäologische Museum. Wie haben die Menschen über die letzten 11’000 Jahre hier an diesem Transitknotenpunkt zwischen Ost (Chile, Pazifik) und West (Bolivien und Argentinien, Atlantik) gelebt und gewirtschaftet?

Im Frühjahr 2010 stand San Pedro de Atacama schon einmal auf unserem Reiseplan. Die Oase lag noch eine Tagesetappe von uns entfernt. Doch bei den grossen Salzseen auf ca. 3’500 Metern machte unser Auto auf einmal schlapp. Totaler Motorenschaden, wie sich später herausstellte. Wir liessen den Suzuki kurzerhand stehen und reisten per Autostopp in die Zivilisation zurück. Danach ging die Reise mit dem Ersatzauto – wie so oft – in eine andere Richtung weiter…
Neben Auto und Flugzeug gäbe es natürlich auch noch andere Alternativen. In San Pedro „kicken“ uns zwei junge Schweizer Velofahrer an und zwei Zürcher kommen uns in Vollmontur auf ihren Motorrädern entgegen. Fehlt nur noch die Schweizer Wandergruppe.

Da uns die Puste (und Lust) für eine Miet-Velotour definitiv fehlt, nehmen wir als nächstes den Bus. ALMA, das grösste Observatorium auf Erden, öffnete vor kurzem seine Tore für Besucher. Die Servicestation befindet sich in der Nähe von San Pedro. Die 66 Antennen, welche zusammen das einzigartige Radio-Teleskop bilden, stehen auf einem Plateau auf 5’000 Metern – an einer Stelle, wo die Luft so trocken und dünn ist, wie kaum an einem anderen Ort auf der Welt.
Mal ehrlich, wer kann sich vorstellen, wie mit Hilfe von unsichtbaren Microwellen Daten aus dem Universum gesammelt und so gebündelt werden, dass daraus farbige Bilder über die Formation von Sternen und Planeten vor Millionen von Lichtjahren entstehen? Ich vergesse ja schon beim plötzlichen Erscheinen einer Sternschnuppe vor lauter Staunen meine Wünsche 😉
Das YouTube-Video erzählt euch mehr über das internationale Mega-Projekt und zeigt die faszinierende Umgebung: ALMA-Projekt

In den folgenden Tagen lassen wir uns durch die geologischen Wunder dieser Erde inspirieren und machen als erstes eine andersartige Reise in unser Sonnensystem: wir kraxeln durch das Valle de la Luna (Mondtal) mit seinen Salzhöhlen, Salzformationen und Sanddünen. Als Belohnung gibt es am Ende noch einen schönen Sonnenuntergang.
An dieser Stelle irritiert mich lediglich die Dunstwolke, welche die östliche Andenkette ständig umhüllt. Ist dies tatsächlich der Smog der Mienen, welcher am Gebirge hängen bleibt? Ich habe mir die Bergsicht auf jeden Fall klarer vorgestellt.

Die nächsten Ausflüge machen wir mit Juan, einem lokalen Touristenführer. Als erstes zeigt er uns die antiken Felszeichnungen bei der ehemaligen Siedlung ‚Yerbas Buenas‘ (Gute Kräuter). So gibt es zu den Schamanen, Lamas, Flamingos, Pumas, etc. doch noch ein paar archäologische Ausführungen. Doch es sei noch gar nicht so lange her (ca. 50 Jahre), da habe es hier auch mal geregnet und viel mehr Kräuter und Blumen gehabt. Heute versucht die Gemeinde an dieser Stelle mit künstlicher Bewässerung die Landwirtschaft wiederzubeleben (letztes Bild). Wir drucken dem Projekt die Daumen!

Die Formen- und Farbenpracht im Valle del Arcoiris (Regenbogental) lässt sich mit der Kamera nur schwer einfangen. Ein Ausflug lohnt sich auf jeden Fall!

Hinten im Tal, dort wo ein grüner Fleck erkennbar ist, versteckt sich das hübsche Hundert-Seelen-Dorf Santiago de Río Grande. Im gleichnamigen Fluss fliesst Wasser, gross ist der Strom allerdings nicht. Jedes Haus wird mit einem Kreuz beschützt. Die Schule ist auch mit vier Kindern immer noch aktiv.
Um die Mittagszeit ist es jedoch mäuschenstill. Nur ein junges Lama springt neugierig aus einem Haus und will wissen, wer sich bei der Hitze noch auf die Strasse wagt. Der Besitzer ist schnell und holt das eine Woche alte Waisenkind gleich wieder zurück in die kühle Stube.

Heute ist Feiertag (Maria Empfängnis) und wir gönnen uns in den Termas de Puritama ein wohltuendes Bad auf 3’475 Metern. Das Wasser fliesst durch acht natürliche Becken und ist angenehm warm (Badewannetemperatur). Tja, und so vergisst man leicht, dass die Sonne schon am Vormittag ziemlich heftig brennt. Juan scheint es auch zu geniessen. Er verschwindet unter einem der Wasserfälle und taucht erst „Stunden“ später wieder auf.
Auf dem anschliessenden Kakteen-Spaziergang fühlen wir uns alle Drei ziemlich entspannt und müde…

Wie immer lassen wir auch in San Pedro de Atacama noch zwei, drei Rosinen für ein nächstes Mal zurück. In diesem Sinne verabschieden wir uns von Juan und reisen den gleichen Weg zurück nach Montevideo.

Wir wünschen euch eine schöne restliche Adventszeit!

 

 

 

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